Ist es schlimmer, wenn Deutsche sterben?

Das Schiffsunglück in Italien hat mich mal wieder auf einen Gedanken gebracht, den ich schon mehrfach hatte. Ich frage mich manchmal, ob ich das nur so wahrnehme oder ob die Berichterstattung in den Medien es tatsächlich so rüberbringt: Ist es schlimmer, wenn bei einem Unglück Deutsche sterben, als wenn Italiener, Araber oder Türken sterben?

Ich sehe den Sinn der Unterscheidung nicht ganz: Wenn beispielsweise bei einem Flugzeugunglück 100 Menschen sterben, ist es es dann wichtig, dass elf davon Deutsche waren? Für mich ist das nicht relevant. Es ist doch immer gleich schlimm, wenn bei so etwas Leute sterben. Da fände ich es doch sinnvoller zu benennen, wie viele von den Toten Kinder waren.

Für mich wäre nur dann eine explizite Benenennung der Nationalität sinnvoll, wenn beispielsweise eine Regionalzeitung davon berichtet, dass bei dem Unglück unter den Opfern auch die lokale Bügermeisterin war. Ich mein, nicht, dass die wichtiger ist, als der Durchschnittsbürger, aber dann ist die Information womöglich relevant. Wenn bei einem Unglück irgendwo auf der Welt u.a. auch fünf Deutsche gestorben sind und ich diese nicht kenne und sie keine wichtigen Ämter bekleidet haben, dann sehe ich nicht, warum man das explizit benennen sollte?!

Bin ich da unsensibel oder habe ich weniger Nationalstolz (ich geb zu, ich hab nicht viel) als der Durchschnittsbürger? Könnte mir jemand erklären, welcher Sinn hinter dieser Gestaltung der Berichterstattung steht?

Ich persönlich finde es einfach prinzipiell schlimm, wenn bei einem Unglück Menschen zu Tode kommen, egal welche Nationalität sie sind. Ich finde es gleich schlimm.

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2 Antworten zu Ist es schlimmer, wenn Deutsche sterben?

  1. el exigente schreibt:

    Es ist natürlich der Versuch den Menschen medial, emotional mit ins Boot zu ziehen. Und setzt voraus, natürlich, daß ein Mensch nur eine Nationalität hat. Nun fragt es sich wie „gezählt“ wird wenn ein Opfer z.B. aufgrund einer „durchrassten Mischehe“ zwei „Zugehörigkeiten“ hat,
    z.B. Brasilianisch und Amerikanisch (wobei die Eltern wiederum historisch keine Indios/Indianer sind, und folglich wiederum weit undursichtiger Nationalität sind). Darf/Muss man die Opfer zweimal zählen? Ich denke Nationalität ist ein rechts-politischer Konstrukt die vorwiegend die Ab-, bzw. Ausgrenzung anderer durch künstliche Zugehörigkeitsgefühle fördert und generell negativ auf die notwendige Gemeinschaftsgefühle zur Bewältigung von zwischenmenschlichen Aktivitäten wirkt … Wenn einer stirbt ist seine Nationalität eigentlich das Letzte was einem wichtig ist, es sei denn man möchte aus seinem Tod politisches Kapital schlagen.

    • dottilini schreibt:

      Also ist es tatsächlich reine „Effekthascherei“? Aufmerksamkeit erregen ist wohl heutzutage wirklich alles, was noch zählt in den Medien…
      Schrecklich.

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