Dozenten

Ich muss zugeben, ich bin ein bisschen genervt. Ich studiere wirklich gerne und hänge mich da auch voll rein, aber ich bin dieses Semester schon in der zweiten Woche Uni genervt.

Es geht mir darum, wie die Dozenten uns Studenten behandeln. Leider macht es mir ein Großteil der Lehrenden an der Uni schwer mich an dieser Stelle positiv zu äußern.

Aktuell beschäftigt mich das Problem, dass es scheinbar selbst für hochgebildete Universitätsmitarbeiter nicht machbar ist, uns Studenten zu fördern indem sie uns fordern. Sie schaffen es uns zu überfordern (leider der Großteil in meinen Augen) oder uns zu unterfordern, aber einfach nur fordern und damit im positiven Sinn herausfordern und anregen, das scheint selbst für diese Leute eine zu komplexe Aufgabenstellung zu sein.

Das Wort unfair klingt an dieser Stelle wohl etwas kindisch, aber ich finde es unfair. Ich finde unsere Dozenten sollten dazu in der Lage sein und es als ihre Aufgabe ansehen sich so mit uns Studenten auseinanderzusetzen, dass ein produktives und positives Lernklima geschaffen wird. Ein solches findet man in vielen Kursen (egal ob Vorlesung oder Seminar) leider nicht vor, wie ich meine. Das finde ich unfair.
Es gibt Dozierende, zu deren Lieblingsfloskeln v.a. Dinge wie „Wie sie ja alle wissen…“ zählen. Wenn man das oft genug zu hören bekommt und sich bei einem Großteil dieser Fälle leider nichts unter dem Genannten vorstellen kann, denkt man ununterbrochen:  „Wenn das alle wissen, warum dann ich nicht? Ich muss gleich nachher noch in die Bibliothek und das recherchieren!“ Das wäre ja an sich ein positiver Effekt. Das wäre dann förderlich und produktiv. Aber wenn dieser Fall schlichtweg zu oft eintritt, obwohl man sich bemüht und Zeit und Energie investiert, dann bekommt man das Gefühl unfähig und zu doof zu sein. Dann gehen die Gedanken eher in Richtung „Vielleicht liegt mir das mit dem Studium doch nicht? Vielleicht sollte ich mir lieber was suchen, was besser zu meinen Fähigkeiten passt?“. Vor allem in den ersten beiden Semestern an der Uni sind solche Gedanken ohnehin nicht selten, obwohl in der Regel nicht berechtigt. Ich finde das sollten Dozenten beachten. Wen habe ich vor mir und was kann ich realistisch von diesen Leuten verlangen, ohne sie zu überfordern? Und ich meine damit nicht, dass sich der Dozent unbedingt daran orientieren sollte wie es dem schwächsten Studenten der Gruppe dabei geht. Das ist nicht nötig. Man sollte versuchen ein gesundes Mittelmaß zu erreichen. So können die Studenten untereinander dann selbst für einen Ausgleich sorgen. Aber nur, wenn ein Teil der Gruppe dazu in der Lage ist, einem anderen zu helfen. Wenn alle überfordert werden, dann geht das aber nicht!

Andrerseits ist es genauso anstrengend für die Kursteilnehmer, wenn der Lehrende sie unterfordert. Ich bin auch schon in Kursen gesessen, wo der Dozent alle 10-15 Minuten Pause macht und nachfragt, ob auch alle mitgekommen sind bei seinen Ausführungen. Das ist ja an sich wirklich eine löbliche Einstellung, aber man sollte dabei nicht aus den Augen verlieren, dass wir trotz allem an der Uni sind und nicht in der 5. Klasse! Man muss den Studierenden schon auch zutrauen selbst etwas zu verstehen und die behandelten Themen selbst gedanklich zu verarbeiten. Vor allem sollte man als Dozent versuchen einzuschätzen, welches Thema komplex ist und welches weniger komplex und entsprechend vorgehen: Wenn man in der Hinführung zu einem Thema einige Fakten nennt (z.B. historische Daten) dann sollte man den Studenten zugestehen, dass sie dazu in der Lage sind dem zu folgen, ohne dass diesbezüglich eine Frage nötig ist. (Wenn man dazu nicht in der Lage ist, dann ist man womöglich an der Uni wirklich falsch.) Die Zeit, die man so spart, kann man anderer Stelle für eine Diskussion bzw. zur Beantwortung von aufkommenden Fragen nutzen. Es fällt einem Zuhörer nämlich leider tatsächlich schwerer bei der Sache zu bleiben, wenn andauernd unnötige Pausen gemacht werden und einfache Thematiken so langsam abgehandelt werden, dass die eigenen Gedanken zu viel Gelegenheit bekommen abzuschweifen. Das beinhaltet nämlich die Gefahr zu verpassen, wann dann doch etwas kommt, das nicht so ohne weiteres zu verstehen ist.

Es wäre also wirklich schön, wenn man an der Universität als Studierender weder wie ein Schulanfänger behandelt wird, noch wie ein ungebildeter Vollidiot! Man sollte einen goldenen Mittelweg suchen und ein produktives Lernklima schaffen, das die Lernenden – denn als Student ist man ja noch nicht allwissend, sonst wäre man ja wahrscheinlich nicht an der Uni – fordert und fördert und ihnen die Möglichkeit und das Selbstvertrauen gibt bei Bedarf Fragen zu stellen.
Ich denke nämlich das ist die eigentliche Aufgabe eines Dozenten: Sein (in der Regel umfrangreiches) Wissen zu teilen und die Studenten zu interessieren und so zum weiteren Selbststudium anzuregen. Die werden doch nicht dafür bezahlt uns das Gefühl zu geben wir hätten von Tuten und Blasen keine Ahnung!

Und das empfinde ich so, obwohl ich als Masterstudentin ja wohl nicht mehr als überforderte Studienanfängerin durchgehe… ich will ja nicht wissen, wie sich ein Uni-Neuling diesbezüglich fühlt.

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2 Antworten zu Dozenten

  1. Stefan schreibt:

    Es gibt Dozierende, zu deren Lieblingsfloskeln v.a. Dinge wie „Wie sie ja alle wissen…“ zählen. Wenn man das oft genug zu hören bekommt und sich bei einem Großteil dieser Fälle leider nichts unter dem Genannten vorstellen kann, denkt man ununterbrochen: “Wenn das alle wissen, warum dann ich nicht? Ich muss gleich nachher noch in die Bibliothek und das recherchieren!“

    Dann empfiehlt es sich dem Dozenten das einfach mal zu sagen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß es anderen Studenten ähnlich geht.

    PS: Deutsch ist nun wirklich eine zu schöne Sprache um sie aus falschverstandenem Idealismus kaputt zu machen – http://www.bruehlmeier.info/sprachfeminismus.htm

  2. dottilini schreibt:

    Da hast du wohl recht, aber das ist leider auch nicht immer so einfach möglich. Nicht alle Dozenten sind für so etwas offen…

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